Einst Produktionstätte für Eisenverarbeitung und Landmaschinenbau, ist der "Gewerbepark Hüttenwerk" am Unteren Hammer in Michelstadt heute das Zuhause vieler erfolgreicher regionaler Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistungen und Kultur.
Nach Gründung unseres Geschäftszweiges "Hüttenwerk Musik und Mehr" am Standort "Unterer Hammer" im Jahre 2003 erfolgte in 2004 der Umzug von Tischler Veranstaltungstechnik ins gleiche Gebäude in unsere heutigen Geschäftsräume. Auf über 800m² befindet sich Material für professionelle Beschallungs- und Beleuchtunsprojekte, eine Live-Bühne mit angeschlossener Gastronomie, sowie Servicewerkstatt, Bürofläche und Sozialräume. Zusätzlich steht ein 2000m² großes Freigelände für unterschiedlichste Zwecke zur Verfügung.
Der "Untere Hammer"
Eisenverarbeitung zwischen Scheitern und Erfolg
Die wechselvolle Geschichte des Hammer- und Hüttenwerks an der Mümling ist spannend wie die Biographie eines langen Menschenlebens. Die frühesten Spuren verlieren sich im Dunkel des Mittelalters. Urkundliche Belege des "Unteren Hammers" gehen ins Jahr 1572 zurück; man produziert Pflüge und Öfen. Den Antrieb der Eisenhämmer sicherte ein System aus Mühlgräben, Wehren und aufgestauten Weihern. Die wirtschaftliche Blüte, die das Werk bis 1620 erlebte, riss im Wüten des 30-jährigen Krieges jäh ab.
Erst nach 1650 erfolgte der Wiederaufbau. Mit Zuwanderern aus Tirol, der Steiermark, dem Erzgebierge und dem Harz begann der Aufschwung unter dem tatkräftigen Pächter Christop Ensinger. Unter seiner Leitung entwickelte sich auch die Kanonengießerei in Steinbach, die weit über die Region hinaus bekannt wurde. Nach seinem Tod 1686 leitet Catharina Ensinger den Unterer Hammer erfolgreich weiter. In dieser Ära entstand das alte Herrenhaus, das im Jahr 2004 abgerissen wurde. Ab 1693 betrieb der Eigentümer, das Erbacher Grafenhaus, das Werk zunächst selbst, bevor es erneut verpachtet wurde. Zieröfen und Gussplatten von der Mümling waren im 18.Jahrhundert weithin berühmt. Um 1770 wurden zwei Fachwerkhäuser für Arbeiter errichtet von denen eines heute noch erhalten ist.
Im Jahr 1797 setzte mit den Pächtern Reuß & Co. eine neue Blüte ein, und ab 1831 sorgte der selbstständige Unternehmer Kröber als "erster Industrieller des Odenwaldkreises" für die Privatisierung des Werks und einen 20 Jahre anhaltenden Aufschwung. Doch die Kunkurenz von Ruhr und Rhein führte zum Niedergang und zum erneuten Verkauf des Betriebs an die "Aktiengesellschaft Hüttenwerk, Eisengießerei und Maschinenfabrik Michelstadt" im Jahr 1883. Sie bewirkte die Neuerrichtung einer Gießerei und einer modernen Dampfmaschine sowie den Anschluss werkseigener Gleisanlagen an die Odenwaldbahn. Nun produzierte man landwirtschaftliche Maschinen und Obstpressen. Um 1910 wurden Backsteinhäuser als Arbeiterwohnsitz erbaut; noch heute erzählen sie von der modernen Industriegeschichte des Hüttenwerks.
Unterbrochen wurde die glückliche Entwicklung nicht nur von der Wirtschaftkrise in den 1920er Jahren, sondern auch von den zwei Weltkriegen, in denen der Betrieb in die Waffenproduktion eingebunden war. Nach 1945 blieb der erwünschte Aufschwung aus, und 1964 erfolgte der Verkauf an die "Howard Rotavator Maschinenfabrik GmbH". Mit der Herrstellung von innovativen Eggen, Pflügen und Ackerfräsen konnte ein weltweiter Markt erschlossen werden. Diese Produktion wurde jedoch nach Polen verlegt.
In der Folge ist es gelungen, auf dem Gelände den "Gewerbepark Hüttenwerk" zu etablieren, indem regionale Unternehmen aus den verschiedensten Industriezweigen eine Heimat gefunden haben. Viele der heute hier ansässigen Unternehmen sind in besonders zukunftsträchtigen Branchen tätig: Photovoltaik, Reinraumtechnologie, Industriservice, Recycling, Kunststoffzerspannung, um nur einige zu nennen.


